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Klaus Langen mit einem Kaffeebauern auf der Kaffeeplantage

[Heimatliebe] Fair geröstet, fair gedacht - Interview mit Klaus Langen

21.07.2026

Fairer Kaffeehandel fängt nicht in der Rösterei an – er fängt beim Kaffeebauern an

Über unsere Partnerschaft mit der Kooperative Puringla in Honduras ist kürzlich ein Interview in der Heimatliebe erschienen. Der Artikel hat uns Anlass gegeben, die Geschichte dahinter noch einmal einzuordnen: Wie aus einer persönlichen Erfahrung in Honduras ein Geschäftsprinzip wurde, das unsere Rösterei bis heute prägt.

Vom Eisenbahnwaggon zur Rösterei: Die Anfänge in Medebach

Die Geschichte unserer Kaffeerösterei im Sauerland beginnt 1959. Günter Langen, der Vater von Klaus Langen, kehrte damals aus Hamburg zurück nach Medebach und begann, in einem alten Eisenbahnwaggon Kaffee zu rösten – unter dem Namen Güla. Verkauft wurde von Haus zu Haus, mit ein paar Päckchen unter dem Arm.

Diese Anfangsjahre waren keine Selbstverständlichkeit. In den 1960er-Jahren gab es in Deutschland noch rund 6.000 kleine Röstereien. Steigende Preise, der Aufstieg der Supermärkte und veränderte Marktbedingungen sorgten dafür, dass Anfang der 1990er-Jahre nur noch etwa 150 davon übrig waren. Die Rösterei Langen gehörte zu den wenigen, die überlebten – weil sie sich weiterentwickelte, statt am Status quo festzuhalten.

Honduras 1994: Der Moment, der den fairen Kaffeehandel bei Langen begründete

Mitte der 1990er-Jahre stieg Klaus Langen in den elterlichen Betrieb ein. Sein eigentlicher Wendepunkt lag jedoch nicht in Medebach, sondern in Honduras: 1994 verbrachte er dort ein ganzes Jahr und sah aus erster Hand, wie der globale Kaffeemarkt funktioniert – oder besser: wie wenig transparent und wie unausgewogen er war. Kaffeebauern, die die eigentliche Arbeit leisten, kannten oft nicht einmal den Preis, zu dem ihr eigenes Produkt gehandelt wurde. Die Preisbildung lag bei Zwischenhändlern, nicht bei den Erzeugern.

Diese Erfahrung ließ Klaus Langen nicht mehr los. Zurück in Deutschland entschied er sich bewusst gegen den anonymen Rohkaffee-Handel und für den Aufbau direkter Beziehungen zu Kaffeebauern und Kooperativen.

Direkthandel als Prinzip: Vom Projekt in Mexiko zur Partnerschaft in Honduras

Der erste Schritt in diese Richtung war ein gemeinsames Projekt mit dem Kolping Diözesanverband Paderborn in Chiapas, Mexiko. Ziel: Kaffee direkt von Kleinbauern beziehen, ihnen verlässliche Einnahmen sichern und wirtschaftliche Abhängigkeiten reduzieren. Direkteinkauf, faire Preise und Vorfinanzierung waren in den 1990er-Jahren alles andere als Standard – ein Weg, der zusätzliche Überzeugungsarbeit gegenüber Kunden erforderte, weil fair gehandelter Kaffee schlicht teurer war.

Diese Grundüberzeugung trägt bis heute die Zusammenarbeit mit der Kooperative Puringla (Cooperativa Mixta de Café Orgánico y Especiales Puringla) in der Provinz La Paz, Honduras. Kennengelernt haben sich Klaus Langen und die Kooperative im Februar 2020 – kurz bevor die Corona-Pandemie begann, zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Kooperative gerade erst gegründet hatte. Heute bezieht die Rösterei Langen rund 60 Prozent ihres Kaffees von dort.

Was die Partnerschaft mit der Kooperative Puringla ausmacht

Die Zusammenarbeit geht über den reinen Ein- und Verkauf von Rohkaffee hinaus. Nach Angaben von Celenia López, Präsidentin der Kooperative Puringla, unterstützt Langen Kaffee auch bei:

  • Bio-Zertifizierung

  • Infrastrukturprojekten

  • Bildungsprojekten und Finanzierung der laufenden Arbeit

Für die Kooperative bedeutet das mehr wirtschaftliche Stabilität durch verlässliches Einkommen, mehr Selbstständigkeit und – nach eigener Aussage – bessere Lebensbedingungen für die beteiligten Familien. Die Zusammenarbeit sei von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt, nicht zuletzt, weil Klaus Langen selbst ein Jahr in Honduras gelebt und gearbeitet hat und die Situation der Kaffeebauern aus eigener Anschauung kennt.

Klein geblieben, aber deutschlandweit gefragt

Die Rösterei in Medebach ist bewusst klein geblieben: zehn Mitarbeitende, ein Ladengeschäft vor Ort, dazu ein wachsender Onlinehandel. Verkauft wird deutschlandweit – aber auch regional, etwa an die Bäckerei Isken, das Hotel Diedrich in Hallenberg oder den E-Center Löffler in Winterberg. Viele Kundinnen und Kunden entscheiden sich bewusst für Kaffee aus Medebach, nicht nur wegen der Qualität, sondern wegen der Geschichte und der Haltung dahinter. Dass fairer Kaffee mehr kostet als anonym gehandelte Ware, ist dabei kein Widerspruch, sondern Teil der Botschaft.

Ausblick: Die nächste Generation

In den kommenden Jahren könnte die Betriebsübergabe an die nächste Generation anstehen – an Julius und Leonard, die Söhne von Klaus und Heike Langen. Damit besteht die Chance, dass eine Geschichte fortgeschrieben wird, die 1959 in einem Eisenbahnwaggon begann und die heute so aktuell ist wie damals: dass Handel fair sein kann, wenn man ihn bewusst gestaltet.

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