Fair gehandelt

Mit einem eigenen Signet stellen wir die Bedeutung des fairen Handels unter Beweis. Gleichzeitig müssen wir die üblichen Fairtrade-Strukturen kritisieren.

Fairer Handel braucht Offenheit

Ein Wort zu TransFair

Seit 1995 ist die Kaffeerösterei Langen Lizenznehmer bei TransFair. Die Verantwortung, die diese Kooperation für Händler und Röster bedeutet, übernehmen wir gern. Dazu gehört auch der kritische Blick auf die Einhaltung und Umsetzung gemeinsamer Grundsätze, die sensible Wahrnehmung und Mitgestaltung neuer Entwicklungen und eine offene Kommunikation.

Deshalb ein ehrliches Wort: Mit Sorge und Bedauern beobachten wir, dass TransFair seit 2006 zunehmend bei Discountern und multinationalen Lebensmittelkonzernen einzieht und damit sein hohes Ansehen sowie das Vertrauen von Verbrauchern und Partnern aufs Spiel setzt. Denn die konsequente Orientierung der Discounter an Billigpreisen geht auf Kosten der Erzeuger und Bauern.

Ist Fair Trade eine Mogelpackung?

Wussten Sie, dass selbst in als fair zertifizierten Produkten nur 20 Prozent an fairen Zutaten enthalten sein müssen? Oder andersherum: Als Fairtrade deklarierte Produkte können bis zu 80 Prozent unfair gehandelter Zutaten enthalten. Ob wir bei einem solchen Prozentsatz noch von wirklich fairem Handel sprechen können?

Kaffee bildet hier eine Ausnahme: Entweder ist er zu 100 Prozent fair oder zu 100 Prozent unfair, weil er aus nur einer Zutat, den Kaffeebohnen, besteht. Zumindest gilt dies für sortenreine Kaffees, bei Mischungen kann dies auch anders aussehen. Bei allen anderen Produkten mit mehreren Zutaten reicht für das einst aussagekräftige Fairtrade-Siegel jedoch schon die Fairness-Quote von 20 Prozent. Das ist unserer Meinung nach deutlich zu wenig.

Fairer Handel darf nicht bloß das Ziel haben, Bauern vor der größten Armut zu schützen. Er muss zu einer deutlichen Verbesserung der Löhne und Arbeitsbedingungen führen. Dieses Ziel verfolgte TransFair auch bis 2011: Bis zu diesem Jahr mussten immerhin 50 Prozent fair gehandelter Zutaten ihren Weg in das Produkt finden. Noch vor wenigen Jahren also war die Organisation deutlich strenger als heute.

In dem Siegel-Dschungel verschiedener Anbieter, die den Verbrauchen fair gehandelte Produkte vorgaukeln, fällt es schwer, den Überblick zu bewahren. Besonders schwer wiegt, dass es für die Arbeiter praktisch keinen Unterschied macht, ob sie in einem von TransFair anerkannten Unternehmen arbeiten oder nicht. Ganz im Gegenteil: Teilweise ist der Verdienst in kleinen, von TransFair unterstützten Betrieben geringer als auf großen Farmen. Noch dazu sind die Arbeitsbedingungen teils schlechter als in konventionellen Farmen, die nicht Teil des TransFair-Netzwerkes sind.

Die Entwertung eines fairen Zertifikats

So lobenswert und vielversprechend die Intention ursprünglich war: Die eigentliche Idee des fairen Handels verfolgt das TransFair-Siegel schon lange nicht mehr. Es ist vielmehr zu einem Signet geworden, mit dem Unternehmen relativ zügig und ohne große Anstrengungen ihr Image aufpolieren können. Das Zertifikat ist für Verbraucher, die den Gedanken des fairen Handels unterstützen, keine Orientierung mehr. Es ist über die Jahre entwertet worden und durch die Rahmenbedingungen mittlerweile kein Zertifikat mehr, auf das Verbraucher achten, sondern das sie eher meiden sollten.

Denn: Fair gehandelte Produkte (wir erinnern uns: für das Fairtrade-Siegel braucht es nur 20 % an fairen Zutaten) werden mit weit höheren Gewinnmargen als herkömmliche Produkte verkauft. Obwohl sie für Verbraucher deutlich teurer sind, bleibt der Gewinn zum größten Teil bei den Unternehmen, statt zu kooperierenden Bauern, Helfern und Betrieben zu fließen. Auch in unserer Gesellschaft tritt vermehrt Kritik am TransFair Sigel auf. So kritisieren zum Beispiel verschiedene Organisationen das Verhalten von TransFair gegenüber den Gewerkschaften.

Direct Trade vs. Fair Trade

Der Kaffee Campus 2014 bot die Gelegenheit, ausgiebig mit Botschaftern kaffeeproduzierender Länder wie Ruanda, Costa Rica oder El Salvador zu sprechen. Mit einem wichtigen Ergebnis: Der direkte Handel - nicht als Teil des Fair Trade-Konzeptes - würde für eine bessere Bezahlung der Kaffeebauern in den produzierenden Ländern und damit tatsächlich faire Bedingungen sorgen. Dir direkte Handel wäre ein wichtiges Zeichen, auf das die Aufmerksamkeit der Verbraucher gelegt werden muss, denen derzeit mit vielen verschiedenen Siegeln fair gehandelte Produkte vorgegaukelt werden.

Eigenes Signet für fairen Handel

Mit einem eigens entwickelten Signet für fair gehandelte Langen-Produkte distanzieren wir uns von dieser Strategie und setzen ein Zeichen für die unabdingbaren Prinzipien des fairen Handels. Gleichzeitig fordern wir TransFair auf, sich auf seine ethischen und moralischen Grundsätze zu besinnen und den eigenen Idealen treu zu bleiben.

Dieser Weg ist nicht immer einfach und erfordert die Loyalität aller Partner. Auch dann, wenn die Angebote aus anderen Richtungen noch so verlockend sind! Aber: Für unser Ziel kämpfen wir an vielen Fronten - mit der Röstergilde, als Partner vor Ort und durch ein hohes Engagement mit Plantagen-Besuchen in kaffeeproduzierenden Ländern. Wir wollen die Fairtrade-Problematik nicht weiter verwässern, sondern sie verstärkt in den Fokus rücken.

Wir reden nicht bloß - wir handeln!

Seit nahezu 20 Jahre vertreiben wir TATICO, einen fair gehandelten Kaffee, entstanden aus einem entwicklungspolitisches Projekt in Kooperation mit Kolping. Das TransFair Siegel ist weiterhin auf der Packung abgebildet, doch für uns wird es zunehmend schwieriger, die Philosophie von TransFair im Zusammenspiel mit TATICO zu vertreten. 

Für die Produzenten in Zentralamerika hat sich durch die direkte Zusammenarbeit sehr viel verändert. Ihre allgemeine Lebenssituation hat sich erwiesenermaßen zum Besseren "fair-ändert". Jetzt gibt es weitere Anfragen von Kolpingern aus Mexico und Honduras, die gerne mit uns zusammenarbeiten möchten. 

Für kleine Gruppen und Genossenschaften ist das gesamte Prozedere, um Kaffee mit dem TransFair-Siegel zu handeln, extrem teuer und langwierig. Sollen wir diese Kaffeebauern ausschließen, jetzt, da sie eine neue Perspektive sehen? 

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